Hinweis

Für dieses multimediale Reportage-Format nutzen wir neben Texten und Fotos auch Audios und Videos. Daher sollten die Lautsprecher des Systems eingeschaltet sein.

Mit dem Mausrad oder den Pfeiltasten auf der Tastatur wird die jeweils nächste Kapitelseite aufgerufen.

Durch Wischen wird die jeweils nächste Kapitelseite aufgerufen.

Los geht's

Wenn Obdachlose sterben

Logo http://bistumlimburg.pageflow.io/wenn-obdachlose-sterben-db2c4c78-b802-4877-9e81-e83cc6ef5cfd

Zum Anfang
0:00
/
0:00
Video jetzt starten


Es ist ein Tabu-Thema. Niemand spricht gerne über den Tod.

Obdachlose und Helfer erzählen trotzdem, was sie über den Tod auf der Straße denken.







Video öffnen

Zum Anfang

Sandro lebt auf der Straße. Und er ist krank. Zur Versorgung kommt er immer wieder in die Elisabeth-Straßenambulanz in Frankfurt. Die Missionsärztlichen Schwestern kümmern sich darum, dass die Obdachlosen medizinisch versorgt werden, soweit es geht. 

Doch eines Tages kommt Sandro nicht mehr.

Vielleicht hat er eine Wohnung gefunden, hat den Absprung geschafft. Vielleicht ist er zurück zu seiner Familie gegangen. Vielleicht...
 

Zum Anfang

Leider hat er keine Unterkunft gefunden und er ist auch nicht zurück nach Italien gegangen. Sandro ist ins Krankenhaus gekommen. Zuletzt hatte er Leukämie. Im Krankenhaus ist er dann schließlich gestorben. 

Wo Obdachlose sterben, ist ganz unterschiedlich. Es kann sein, dass sie in Unterkünften sterben, auf der Straße oder eben im Krankenhaus. Die Gründe sind vielfältig. Krankheit, Kälte, Gewalt.

Viele der Obdachlosen sind alleine, wenn sie sterben, vor allem, wenn sie auf der Straße sterben. Sandro hatte kurz vor seinem Tod  Besuch von den Kapuzinerbrüdern, die sich in Frankfurt um Obdachlose kümmern. Sie haben ihm das Sakrament der Krankensalbung gespendet. 

Zum Anfang
0:00
/
0:00
Audio jetzt starten

Wird der Obdachlose tot aufgefunden oder wird im Krankenhaus dessen Tod festgestellt, dann beginnt die Suche. Nach Angehörigen. Die Polizei meldet den Fall dem Ordnungsamt und die Mitarbeiter machen sich auf die Suche.  

Die Frage, die dabei erst einmal im Mittelpunkt steht, ist: 
Wer übernimmt die Kosten der Bestattung?

Michael Jenisch vom Ordnungsamt der Stadt Frankfurt beschreibt den Ablauf.

Audio öffnen

Zum Anfang

Bei einer Sargbestattung hat das Amt 96 Stunden Zeit, bis die Person beerdigt sein muss. Wegen dieses engen Zeitplans kommt es häufig vor, dass Bekannte oder Freunde nichts von der Beerdigung wissen. 

Bei Urnenbestattungen ist der Zeitraum länger. Nach der Verbrennung im Krematorium kann geklärt werden, wer die Kosten übernimmt. 

Bei Sandro hat das Amt keine Angehörigen - weder in Deutschland noch in Italien - gefunden. Das heißt, das Sozialamt der Stadt Frankfurt musste zahlen.
 

Zum Anfang
0:00
/
0:00
Video jetzt starten

Bei einer einfachen Bestattung in Frankfurt liegen allein die Friedhofsgebühren zwischen 1.600 und 2.500 Euro. 

Je nach Friedhof ist ein Notkreuz als Grabmal in den Gebühren enthalten.



Video öffnen

Zum Anfang
0:00
/
0:00
Audio jetzt starten

Im Fall von Sandro wurde eine Trauerfeier beantragt und, nachdem sich die Kapuziner dafür eingesetzt hatten, schließlich bewilligt. 

Aber auch am Friedhof lief die Bestattung von Sandro dann nicht ohne Probleme. Kapuzinerbruder Paulus Terwitte erzählt.

Audio öffnen

Zum Anfang

Aber es sind nicht nur Beerdigungen von Obdachlosen, die die Stadt Frankfurt übernimmt. Andere mittellose oder arme Menschen werden auch bestattet. Im Jahr 2016 waren es laut Ordnungsamt etwa 280 Fälle der so genannten Sozialbestattung. Davon waren etwa 60 Menschen obdachlos. Die Zahl der Sozialbestattung sei in den letzten Jahren leicht gestiegen, sagt Jenisch.

Zum Anfang
0:00
/
0:00
Audio jetzt starten

Für die kirchlichen Organisationen steht der Mensch im Mittelpunkt. 

Bruder Paulus Terwitte erläutert, warum die Bestattung von Obdachlosen wirklich wichtig ist. 

Audio öffnen

Zum Anfang

Kathrin Höhl arbeitet in der Elisabeth-Straßenambulanz und hat Sandro gekannt und auch betreut. Für sie ist es schön, dass er in Frankfurt beerdigt wurde. Das sei nicht selbstverständlich, denn schließlich sei die Bestattung in Frankfurt sehr teuer. Aber dass Obdachlose aus Kostengründen an einem anderen Ort beerdigt werden, gebe es in Frankfurt nicht, sagt Michael Jenisch. Sie würden nur in andere Städte gebracht, wenn es dort Verwandte gebe oder wenn es der Wille des Verstorbenen sei. "Wer in Frankfurt gelebt hat, soll auch in Frankfurt bestattet werden," sagt Jenisch.

In Wiesbaden kam es bis 2011 vor, dass Obdachlose nach der Verbrennung nach Bayern geschickt wurden, um Kosten zu sparen. Dort wurden sie anonym beerdigt. "Seit 2012 ist das nicht mehr der Fall", sagt Erich Unkelbach vom Ordnungsamt der Stadt Wiesbaden. Die Obdachlosen werden auf dem Wiesbadener Südfriedhof beigesetzt und zu jedem Grab gehört ein Holzkreuz mit Namen und Geburts- und Todesdatum. "Allerdings werden die Gräber nicht gepflegt", sagt Unkelbach, sodass das Grab zwar ein Andenken sei, aber für ihn ein würdeloses.  

Zum Anfang
0:00
/
0:00
Audio jetzt starten


Aber was bedeutet es für Obdachlose - wenn andere Obdachlose, ob bekannt oder nicht - sterben? 



Audio öffnen

Zum Anfang
0:00
/
0:00
Audio jetzt starten

Die verstorbenen Obdachlosen in Frankfurt werden nicht vergessen, auch wenn kaum ein Grabstein an die Menschen erinnert.

Einmal im Jahr, im November, gibt es einen Gottesdienst in Frankfurt, bei dem an die Verstorbenen gedacht wird. Dabei lesen Freiwillige die Namen von allen verstorbenen Obdachlosen des vergangenen Jahres vor und die Besucher des Gottesdienstes zünden für jeden Verstorbenen eine Kerze an.

Im letzten November auch für Sandro.

Zum Anfang





Eine Multimedia-Reportage der Informations- und Öffentlichkeitsarbeit des Bistums Limburg

Felicia Schuld


Dank an
den Caritasverband Frankfurt,
die Elisabeth-Straßenambulanz,
CASA21,
Bruder Paulus Terwitte,
Michael Jenisch vom Ordnungsamt der Stadt Frankfurt,
Erich Unkelbach vom Ordnungsamt der Stadt Wiesbaden





Zum Anfang
Scrollen, um weiterzulesen
Wischen, um Text einzublenden